Strömungen – Symposium zu künstlerischer Sonifikation

Vom 2. bis zum 4. Dezember 2016 fand am ZKM – Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe das vom Institut für Musik und Akustik  und Prof. Ludger Brümmer veranstaltete Symposium Strömungen zur künstlerischen Sonifikation statt. Sebastian Ritterbusch hatte die Gelegenheit am 3. Dezember einigen Vorträgen beizuwohnen.

Mikroorganismen sind kleinste Lebewesen, die in einer Mikrobiellen Brennstoffzelle zur Stromgewinnung genutzt werden können. Ricardo Climent stellte sich die Frage, wie man die Aktivität der Organismen sonifizieren könnte oder sogar mit verschiedenen Mikroorganismen durch Steuerung ihrer Lebensumstände ein Ensemble bilden könnte. Durch Zugabe und Reduktion von Nährstoffen sowie der Veränderung der Temperatur veränderte er den Stoffwechsel der Lebewesen, was zu unterschiedlichen Spannungen an den Elektroden führte. Diese Potentialunterschiede sonifizierte er mit Tongeneratoren und Synthesizern, die als Microbial Ensemble in Konzerten wie in Belfast aufspielen ließ.

Auf einer weit kleineren Skala betrachtete Falk Morawitz die magnetische Kernresonanz von beispielsweise Wasserstoff-, Kohlenstoff– und Stickstoffatomen und Isotopen. Während sich die eigentlichen Resonanzfrequenzen im Megahertzbereich von beispielsweise Ultrakurzwellen bewegen, so sind die Abweichungen von der Trägerfrequenz oft nur im Bereich von Kilohertz und können daher direkt sonifiziert werden. Die unterschiedlichen Resonanzen der Atome und Verbindungen ermöglichen in der Kernspinresonanzspektroskopie eine detaillierte Analyse von Stoffen und Molekülen auf atomarer Ebene, auch auf akustischem Wege: Die Sonifikation war laut Morawitz eine Standardausgabe früherer Spektrographen, die erst aktuelleren Geräten nicht mehr standardmäßig aktiviert ist. Wie man die Signale auch musikalisch nutzen kann, zeigt Falk Morawitz in Konzerten in Manchester oder auch zum Symposium am ZKM.

Einen großen Erfolg für Sonifikationen sieht Alexandra Supper durch ihre Immersion und Emotionalität in der Popularisierung von Wissenschaft. Prominente Beispiele sind hier die Sonifikation der Aurora (Beispiel einer Sonifikation des Nordlichts) oder in der Astroseismologie (Beispielhafte Sonifikationen der Astroseismologie). Gleichzeitig ist dies aber auch eine Gefahr, da sich so Forschende von einer anscheinend unwissenschaftlichen Methodik abwenden, statt Sonifizierung als wissenschaftliche Methode weiterzuentwickeln.

Gleich mehrere neue Methoden schlägt Jiajun Yang vor, um neue Nutzungsmöglichkeiten von Sonifikationen zu etablieren. Zum einen können funktionale Geräusche Menschen mit Einschränkungen wie beispielsweise Autismus helfen sich auszudrücken. So wurden Personen synthetische sprachähnliche Geräusche zur Auswahl gegeben, um über eine evolutionäre Auswahl typische Stimmungslaute zu identifizieren, die dann in der Übersetzung ihrer Gemütszustände eingesetzt werden können.

Ein weiterer Ansatz von Yang soll durch eine modellbasierte Sonifikation helfen große Datenmengen interaktiv und explorativ zu sonifizieren. So kann die akustische Darstellung der Trajektorie eines durch nahe Datenpunkte angezogenen Teilchens helfen, lokale und verborgene intrinsische Eigenschaften großer Datenmengen zu darzustellen.

In einer anschließenden Paneldiskussion kam auch das Thema auf, wann eine Geräuschbildung noch als Sonifikation angesehen werden kann. Hier hat Thomas Hermann 2008 die These zur Definition der Sonifikation  aufgestellt, dass sich die Sonifikation durch Objektivität, Systematik, Reproduzierbarkeit und Anwendbarkeit auszeichnet. Gleichzeitig stellen sich aber auch nicht alle Sonifikationen als sinnvolle Darstellungen heraus, da dem menschlichen Hörvermögen Grenzen gesetzt sind. Ebenso muss die Wirkung von akustischen Darstellungen beachtet werden, da nur erträgliche Sonifikationen überhaupt zum Einsatz kommen werden. Hier ist die künstlerische und interdisziplinäre Auseinandersetzung mit dem Thema der Sonifikation wie auf diesem Symposium ein auch für wissenschaftliche und technische Einsatzfelder eine wertvolle Bereicherung, da am Ende die Darstellungen wie im Terrain-Projekt auf offene Ohren treffen sollen.